Spielfreude, Leidenschaft und Interpretationen abseits der Routine – das sind die Ziele, denen sich die fast 100 Musiker des JEB | Sinfonieorchesters verbunden fühlen. Einmal wöchentlich treffen sich die Schüler, Studenten und jungen Berufstätigen, um in disziplinierter Probenarbeit sinfonische Konzertprogramme einzustudieren, die dann in der Berliner Philharmonie oder im Konzerthaus Berlin einem breit gefächerten Publikum vorgetragen werden. Aber auch die Teilnahme an Opern- und Operettenprojekten sowie die Zusammenarbeit mit Chören sind regelmäßiger Bestandteil des gemeinsamen Musizierens.

Das JEB | Sinfonieorchester überzeugt sowohl durch seine musikalische Qualität als auch durch sein pädagogisches und soziales Engagement. So brachte es gemeinsam mit dem JEB | Chor im Januar 2013 das Verdi-Requiem anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus in zwei Konzerten zu Gehör und erinnerte damit an die Aufführung dieses Werks im Konzentrationslager Theresienstadt. Die Einnahmen dieser Konzerte, bei denen u.a. Annette Dasch als Solistin mitwirkte, wurden für die Restaurierung der Orgel im heutigen Terezín gespendet, bei deren Einweihung die beiden Ensembles im Herbst 2014 wiederum auftraten. Im Juni 2014 veranstaltete das Sinfonieorchester zudem ein Benefizkonzert zugunsten des Vereins „Ärzte für Madagaskar“, der im bitterarmen Süden des afrikanischen Landes ein neues Krankenhaus baut. Als Schirmherren verliehen Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier bzw. Bundestagspräsident Norbert Lammert diesen wohltätigen Zwecken ein zusätzliches Gewicht. Die Einbindung pädagogischer Projekte – wie beim War Requiem zum Gedenken an das Kriegsende im Mai 1945 – eröffnet sowohl den Musikern als auch dem Publikum einen neuen, pointierten Zugang zu Werk und Geschichte und hilft, neue Hörergruppen zu erschließen.

Auch in der ARD ist das JEB zu sehen: Bei „Klein gegen Groß“ sorgten die Streicher des Sinfonieorchesters für die musikalische Untermalung des ABBA-Duells zwischen Stefanie Hertel und dem Herausforderer Enrico, die möglichst viele der rückwärts gespielten ABBA-Songs erkennen mussten (Ausstrahlung am 25.05.2015 um 20:15 Uhr).

Das Orchester hat sich in den letzten Jahren ein großes Spektrum des klassisch-romantischen Kernrepertoires erobert, bei dem sowohl dessen warmer Streicherklang als auch die hohe Qualität der Bläser wirkungsvoll zur Geltung kommen: So standen Werke von Dvořák, Schumann, Brahms, Beethoven und Tschaikowsky ebenso auf dem Programm wie Sinfonien von Mahler und Bruckner und Wagners Ouvertüre zu Die Meistersinger von Nürnberg. Durch die Kooperation mit namhaften Solisten gewinnt das Ensemble künstlerische Erfahrung und wertvolle musikalische Nuancen. Es begleitete in den vergangenen Jahren u.a. den Konzertmeister der Berliner Philharmoniker Andreas Buschatz (Brahms‘ und Tschaikowskys Violinkonzerte), Turid Karlsen (Wagners „Vorspiel und Liebestod“ aus Tristan und Isolde) und Elisabeth Glass (Beethovens Violinkonzert). Zudem konnte das Orchester im Winter 2014 mit Alexander Merzyn als Gastdirigent zusammenarbeiten, der vom Dirigentenforum des Deutschen Musikrates gefördert wird und in dessen Künstler-Liste „Maestros von Morgen“ vertreten ist.

Dem 20. Jahrhundert näherte sich das Orchester vor allem über Kompositionen von Prokofjew und Schostakowitsch, Rachmaninoff und Strawinsky. Zudem pflegt es die Erinnerung an die im Konzentrationslager Theresienstadt internierten und ermordeten Künstler z.B. durch die Aufführung von Viktor Ullmanns Klavierkonzert (Solist: Holger Groschopp). Im Januar 2012 wurde mit der Uraufführung des Auftragswerkes norðr des Berliner Komponisten Marius Felix Lange auch ein Zeichen für die wichtige Auseinandersetzung mit aktueller Musik gesetzt.

In weiteren chorsinfonischen Kooperationen mit dem JEB | Chor und dem Cantus Domus wurden in den vergangenen Jahren bereits u.a. Mendelssohns Elias, Brahms Schicksalslied sowie das Requiem für Mignon von Schumann aufgeführt. Bei einem Austauschprojekt mit dem Oratorienchor der Robert-Schumann-Musikhochschule Düsseldorf erklang Mendelssohns Die erste Walpurgisnacht u.a. im Essener Zollverein. Eine europäische Uraufführung von Steven Sametz’ Carmina Amoris wurde mit The Lehigh University Choir aus Philadelphia (USA) realisiert.

Auf dem Gebiet der Oper und Operette bestand lange Zeit eine enge Zusammenarbeit mit der Regisseurin Cordula Däuper und den Studiengängen „Oper“ und „Opernregie“ der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin. Dabei gelangten in anspruchsvollen Inszenierungen u.a. Mozarts Schauspieldirektor, Suppés Die schöne Galathee, Menottis The Telephone sowie Poulencs La voix humaine und Die Brüste des Tiresias, letztere in der Berliner Erstaufführung, auf die Bühne.

Konzertreisen führten das Orchester bereits nach Schweden, Tschechien, Italien, Frankreich, Dänemark, die Schweiz und die USA. Für 2016 sind eine Kooperation und gemeinsame Konzerte mit dem Jordanian National Orchestra in Amman in Planung.

Seit 1997 ist Michael Riedel musikalischer Leiter des Sinfonieorchesters. Er wird von erfahrenen Musikabsolventen und Musikstudenten an den Stimmführerpositionen unterstützt.